ESS-Kompass – Ein Projekt der Ehemaligen für unsere Schüler

ESS-Kompass – Ein Projekt der Ehemaligen für unsere Schüler

Es ist nicht selbstverständlich, dass sich ehemalige Schüler der ESS für die Oberstufenschüler ein Projekt überlegen. Im Nachgang zu ihrem Schulleben an der ESS haben sie Informationen von „echten Studenten“ über den weiteren Werdegang vermisst. Statt Klagen, heißt es Handeln.

Federführend durch Johann Schottler (Abitur 2009) entstand 2013 kurzentschlossen das Projekt „ESS-Kompass – Welcher Weg nach dem Abi?“.

Für den nun 5. ESS-Kompass reisten 15 ehemalige SchülerInnen aus ganz Deutschland an, um am Freitag, dem 27.09.19, ihre Erfahrungen und Tipps an die Schüler und Schülerinnen der ESS (Oberstufe) weiterzugeben. So konnten unsere zukünftigen Abiturienten einen Einblick in das wahre Studienleben aus erster Hand erlangen. In 17 Workshops ging es auch sehr persönlich zu, so wurde über ein FSJ-Jahr genauso berichtet wie über ein abgebrochenes Studium. Die Hintergründe aus erster Hand zu erfahren, macht diese Gelegenheit sicher zu einer einzigartigen Veranstaltung. Nicht zuletzt war es gerade die Motivation der Ehemaligen an ihre alte Schule zu kommen, weil sie selbst vor 2 oder 4 Jahren von diesem Informationsnachmittag profitiert hatten.

Vielleicht wird ja einer der jetzigen Oberstufenschüler in ein paar Jahren wieder an der Stelle stehen, nur dann auf der Seite der Ehemaligen.

Wolfgang Hock

 

Verbrannte Sonnencreme, Grätzelzellen und Schnelltest

Verbrannte Sonnencreme, Grätzelzellen und Schnelltest

Es riecht nach verbrannter Sonnencreme. Diesmal liegt es aber nicht daran, dass es mal wieder so heiß ist, dass die Sonnencreme auf unserer Haut verglüht. Verantwortlich für diesen unangenehmen Geruch ist der Chemie-eA-Kurs Klasse 12 mit Frau Seiler. Gemeinsam mit dem Physik-eA-Kurs Klasse 12 waren wir vom 20.08. bis 21.08.2018 in Göttingen.
Am ersten Tag führte uns ein erfahrener Chemiestudent über den Nordcampus der Universität Göttingen, auf dem die Naturwissenschaften und auch das X-Lab – hierzu gleich mehr – angesiedelt sind. Dabei erfuhren wir nicht nur vieles über die Universität Göttingen, sondern auch über das Studentenleben, das neben viel Spaß auch harte und intensive Arbeit bedeutet. Die gemütliche Göttinger Innenstadt mit den schönen Fachwerkhäusern und dem Gänseliesel-Brunnen konnten wir bei einem Abendspaziergang kennenlernen.
Das, weshalb wir eigentlich nach Göttingen gefahren waren, fand am zweiten Tag statt: Ein Experimentaltag im X-Lab, einem großen Schülerlabor. Chemiker und Physiker führten hier verschiedene Versuche durch. Wir, die Chemiker, stellten im Verlauf dieses Tages eine Grätzelzelle her. Das ist eine weiterentwickelte und verbesserte Abart der Solarzelle. Im Vergleich zu Silicium-Solarzelle ist die Grätzelzelle deutlich preiswerter, leichter herzustellen, effektiver, vielseitiger einsetzbar und sogar umweltfreundlicher (Silicium-Solarzellen verbrauchen bei der Herstellung und der Entsorgung bzw. dem Recyclen erheblich mehr Energie).
Eingangs klang es schon an: Für die Herstellung der Grätzelze erhitzten wir zunächst Sonnencreme, um die organischen Bestandteile zu verbrennen – das stank sehr. Zurück blieb ein weißes Pulver mit Nanopartikeln: Titandioxid. In der Sonnencreme absorbiert Titandioxid das für die Haut schädliche UV-Licht. In der Grätzelzelle wird Titandioxid als elektrischer Leiter genutzt.
Grätzelzellen sind farbstoffsensibilisierte Solarzellen. Das bedeutet, dass Farbstoffe verwendet werden, um Licht zu absorbieren und dessen Energie in Form von Elektronen nutzbar zu machen. Wir gewannen unsere Farbstoffe aus Malventee (Malvedin), grünen Blättern (Chlorophyll), Karotten (Carotin) und Rotkohl (Cyanidin).
Damit die Grätzelzelle arbeiten und Strom fließen kann, benötigten wir neben der gefärbten Titandioxidschicht auf dem ersten FTO-Glas – das ist ein Glas mit einer leitfähigen Beschichtung – eine Graphitschicht auf dem anderen FTO-Glas und zwischen den beiden Schichten einen Elektrolyten. So können die nötigen Redoxreaktionen ablaufen und das Licht der Sonne genutzt werden.
Die Tests am Ende unseres spannenden Labortages zeigten: Wir hatten gut gearbeitet! Denn all unsere Grätzelzellen leiteten mehr Strom als erwartet.

J.N.

Funktionsweise Grätelzelle
(https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2e/Funktionsweise_Graetzelzelle.gif (abgerufen am 22.08.2018)

Im Anschluss an unsere Experimente im XLAB in Göttingen, zog es uns am Mittwoch, dem 22.08.2018, mit dem Zug nach Weimar. Nach knapp 10 Minuten Fußmarsch durch einen Fußgängertunnel und ein Stück die Industriestraße hinauf, erreichten wir, der Chemie eA Kurs Klasse 12, unser Ziel: das mittelständische Unternehmen Senova. Senova gegründet 1997 in Jena und umgesiedelt 2010 in das alte Uhrenwerk in Weimar, entwickelt und forscht an immunologischen Schnelltests zur schnellen Diagnose und zum Nachweis von u.a. Proteinen, Haptenen oder Viren. Anstatt längere Zeit mit dem Warten auf die Laborergebnisse zu verschwenden, können diese Schnelltests mit hoher Präzision binnen weniger Minuten durch Anwendung des Point-of-care Verfahrens (noch beim Patienten durchgeführt) einen Verdacht bestätigen oder falsifizieren. Große Aufmerksamkeit erregte das Unternehmen 2014 mit der Entwicklung eines Ebola-Schnelltests.

Als wir bei Senova ankamen, wurden wir bereits von Frau Lindacher erwartet und in einen Besprechungsraum geführt. Kurz danach stieß der Inhaber des Unternehmens, Hans-Hermann Söffing dazu. Er erklärte uns, woran das Unternehmen forscht und wie das Unternehmen arbeitet. Nach einer kurzen Auffrischung unserer Kenntnisse über die Immunologie erklärte uns Herr Söffing anschaulich die Wirkungsweise der Schnelltests. In dem Schnelltest werden Antikörper eingesetzt, welche entsprechende Biomarker (Viren, Haptene…) festhalten und gleichzeitig durch Goldpartikel an diesen Antikörpern sichtbar gemacht werden.

Nach den sowohl interessanten als auch aufschlussreichen Erklärungen erhielten wir einen Rundgang durch das Unternehmen. Zunächst ging es für uns in das Forschungs- und Entwicklungslabor, in welchem wir die Maschine sahen, die Prototypen der langen Bänder, woraus später kleine Streifen geschnitten werden, produzieren. Nach einem kurzen Blick in die Qualitätssicherung betraten wir die Produktionsräume, in welchen die Prototypen in Produktionsmaßstäben fabriziert werden. In der Trockenkonfektion konnten wir sehen, wie die einzelnen Testkassetten, auf welche später die Probe gegeben wird, zusammengesteckt und in eine luftdicht verschlossene Tüte, einen Pouch, verpackt werden. Herr Söffing zeigte uns ebenfalls eine Konstruktion aus Greifarmen und Laufbändern, welche schon bald den Prozess des Zusammensteckens der Kassetten übernehmen soll. Darauf folgte ein Blick in den Konfektionsraum, in welchem die einzelnen Test-Kits zusammengeführt und in Kartonagen verpackt werden.

Als wir wieder im Besprechungsraum ankamen, zeigte uns Herr Söffing wie man z.B. einen Hämoglobin-Test durchführt. Zunächst gewinnt man mithilfe einer kleinen Lanzette einen Tropfen Blut aus dem Finger. Danach wird der Tropfen mit einer Pufferlösung vermengt und diese vorbereitete Probe auf die Testkassette aufgetragen nun konnten wir beobachten, wie die Probe langsam auf dem Teststreifen entlangwandert und sich Streifen bildeten: ein Streifen wenn nur der Puffer aufgetragen wurde und zwei Streifen wenn der  Puffer mit einer winzigen Menge Blut gemischt wurde. Diese zwei Streifen zeigten ein positives Ergebnis an. Wir hatten damit nachgewiesen, dass im menschlichen Blut Hämoglobin enthalten ist.
Nach Klärung der letzten Fragen war unser Besuch bei Senova allerdings schon vorbei. Wir wurden von Herrn Söffing und Frau Lindacher verabschiedet und fuhren mit dem Zug wieder zurück nach Erfurt.

P.G.

Ein herzliches Dankeschön an Frau Seiler und Herrn Beuster für die Organisation dieser beiden Tage! Wir sind dankbar für die großartigen Erfahrungen, das viele neue Wissen und den Spaß, den wir an diesen beiden Tagen hatten!

Der Chemie eA Kurs Klasse 12


Edith-Stein-Schule Erfurt