Herbstlese an der ESS

Eine Nachlese

Edith Stein, sie ist die Patronin Europas. Anlässlich ihres Geburtstages feiert die Edith-Stein Schule seit 18 Jahren das Herbst-Lese-Fest – beginnend mit dem Herbstsingen der 5. Klassen, an das sich eine Lesung mit Gespräch und ein geselliges Beisammensein im geschmückten Foyer anschließen. Frau Kleinheyer,  Frau Schröter,  Frau Lünstett,  Frau Quitt,  Frau Weiler, Frau Rüsbuldt und schließlich wir vier  haben  mit Freude dieses Fest organisiert.

Frauen, die  lesen, sind bekanntlich gefährlich. Was fällt ihnen ein, wenn sie eine Autorin oder einen Autor suchen? Viele Fragen an die Geschichte, aber auch an die Gegenwart zum Umgang mit Menschen anderer Nationen und Religionen, zum Leben in Diktaturen, zur Verantwortung für Mensch und Natur…

In diesem Jahr war der junge Journalist Dima Kapitelman unser Gast – ein halbjüdischer Kontigentflüchtling  aus Kiew auf der Suche nach der eigenen Identität, aber auch der Identität seines Vaters. Er hat uns mit seinem Debütroman auf die Reise nach Israel mitgenommen – auf der Suche nach Wurzeln, nach Heimat, nach Religion und Glauben. Wir haben erlebt, wie er mit Humor und Zärtlichkeit seinem Vater begegnet und wie wichtig ihm dessen Seelenfrieden ist, aber auch wie offen er für den Dialog der Menschen gleich welcher Religion ist. Entscheidend ist überall der gute Wille für ein friedliches Miteinander.

Die weiteste Anreise zum Herbst – Lese- Fest hatte Erika Rosenberg, sie kam aus Buenos Aires. Aber auch andere Autoren waren Weltbürger oder Heimatsuchende. Manche Autoren hatten keine Zeit für uns, manche waren zu teuer. Wenn sie gewusst hätten, wie herzlich  sie in der Edith-Stein-Schule aufgenommen worden wären, wären sie bestimmt gekommen.  So aber haben  das Herbst-Lese-Fest bereichert:

  • 2000 Stefanie Zweig, „Nirgendwo in Afrika – Irgendwo in Deutschland“
  • 2001 Philomena Franz, „Zigeunermärchen“
  • 2002 Bassam Tibi, „Islam und Christentum“
  • 2003 Daniel Deckers, „Die Heilige und der Brief“- – Betrachtungen über Zivilcourage
  • 2004 Rupert Neudeck, „Grünhelme“
  • 2005 Matthias Kopp, „Generation Papst? – die Weltjugendtage und das Gespräch der Religionen“
  • 2006 Erika Rosenberg, „Ich, Emilie Schindler“
  • 2007 Manfred Deselaers „Dialog an der Schwelle von Auschwitz“
  • 2008  Alois Prinz , „Hannah Arendt – Beruf Philosophin, oder Die Liebe zur Welt“.
  • 2009 Jana Jürß, „Ein fast vergessenes Land – DDR – durch Menschen gelebt“
  • 2010  Jan Erices und Jan Schönfelder  „Willy Brandt in Erfurt –  Der schwierige Weg zum ersten deutsch-deutschen Gipfeltreffen 1970“
  • 2011 Maren Gottschalk, „Die Morgenröte unserer Freiheit“ mit Untertitel „Die Lebensgeschichte von Nelson Mandela“
  • 2012 Ingeborg Gleichauf, “Denken aus Leidenschaft – Acht Philosophinnen und ihr Leben“
  • 2013 Alois Prinz, „Jesus von Nazareth“
  • 2014 Gerd Berghofer, „Erlauben Sie , dass ich schweige –Die verbrannten Dichter“
  • 2015 Sherko Fatah, „Der letzte Ort“
  • 2016 Rima Ideguchi/ Fabian Liedtke und Yoko Schlütermann „Singvögel und Raben waren auch nicht mehr da“
  • 2017 Dmitrij Kapitelman, „Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters“Im Begleitprogramm gab es Kinofilme, nämlich „Das Leben ist schön“ und auch „Schindlers Liste“. Lehrer erzählten in beeindruckend ehrlichen Interviews über ihre Lebenswirklichkeit in der DDR.  Es gab Collagen, Gedichte und Musik. Immer wieder überraschte uns die Kreativität der Schüler.Wir sagen  danke: dem Förderverein der Edith-Stein-Schule, den  Buchhändlern, dem Ehepaar Handmann für den Druck der Einladungen, den Schulsekretärinnen, die die Organisation im Blick haben, und Herrn Hock, Herrn Beuster und Herrn Greiner-Bär, die sich im Hintergrund um die technischen Abläufe kümmern, den vielen namentlich nicht genannten Lehrern, die sich und die Schüler in den vergangenen Jahren durch musikalische und künstlerische Beiträge eingebracht und für gute  Presse gesorgt haben, und  zu guter Letzt auch der Schulleitung, die uns über viele Jahre  unterstützt und keine Steine in den Weg gelegt hat. Vor allem aber danken wir unseren treuen Gästen, die auch gekommen sind, nachdem ihre Kinder die Schule schon verlassen hatten.Nun ist die Herbstlese volljährig geworden. Es ist Zeit für einen Generationenwechsel und  eine Neuorientierung mit Schülern, Lehrern und Eltern. Wir wünschen auch für die kommenden Jahre unseren Nachfolgern diese Unterstützung, viele gute Ideen und noch mehr interessierte Zuhörer.

Elke Schütz, Catrin Schmidbauer, Sabine Schneider und Christiane Neubig

 

Das Herbstlesefest – Die Idee

„Herbst-Lese-Fest” unter diesem Namen sollte die Veranstaltung stattfinden, darin waren sich vor über zehn Jahren, im April 2000 vier engagierte Mütter von Edith-Stein-Schülerinnen und Schülern einig.
Frau Kleinheyer, Frau Schröter, Frau Lünstett und Frau Quitt (sowie später Elsbeth Weiler als Nachfolgerin für Frau Lünstett) wollten für die Eltern-, Lehrer- und Schülerschaft eine kulturelle Veranstaltung organisieren, die über den „Stundenplan“ hinaus, „Schule“ machen sollte. Der christliche Grundgedanke sollte sich – eingebettet in ein kulturelles Angebot, terminlich nahe an Edith Steins Geburtstag, dem 12. Oktober gelegen – durch geselliges Beisammensein abgerundet fest verankert in den Jahresplan der Schule integriert einfügen.
„Das Bistum Erfurt als Schulträger sowie die Schulleitung und auch die Lehrerschaft der Edith-Stein-Schule waren zunächst sehr skeptisch, was zum einen die Umsetzung der Grundidee und zum anderen aber auch die Finanzierung der Veranstaltung betraf“, so Gabriele Schröter.
Man konzipierte eine Abendveranstaltung, eine Autorenlesung zu aktuellen, brisanten oder geschichtlichen Themen mit dem Ziel, das Medium Buch in den Vordergrund zu stellen, um Schülern der Mittel- und Oberstufe, ihren Eltern und Lehrern, sowie Vertretern der Politik und Gesellschaft Erfurts eine zum Schulgeschehen parallele Plattform des Austausches zu bieten. Die Organisatorinnen nutzten ihre vielfältigen Kontakte. Nachdem Sponsoren gefunden waren, begab man sich auf die Autorensuche. So gelang es, zum 1. Herbst-Lese-Fest vor 12 Jahren, die Schriftstellerin Stefanie Zweig zu engagieren. Die ehemalige Kulturredakteurin erreichte mit ihren Afrika-Romanen Ende der Neunziger den schriftstellerischen Durchbruch. Sie las aus Ihren Büchern „Nirgendwo in Afrika – Irgendwo in Deutschland“.
Nachdem Fragen wie „wie macht man auf sich aufmerksam, was bieten wir als Rahmenprogramm an, wer kann noch unterstützend mithelfen, woher Sitzgelegenheiten und Dekoration nehmen“ und vieles mehr geklärt waren, ging es an die Erstellung der Gästeliste sowie ans Konzipieren der Einladungen. Hierbei unterstützte maßgeblich die Druckerei Handmann die Umsetzung und druckte (bis dato) – kostenfrei – die Einladungen, dessen Logo von Adrian Kleinheyer, damals noch Schüler an der ESS, entworfen und gestaltet wurde.
Die finanziellen Mittel für diese erste Veranstaltung wurden nach aufwändiger Sponsoren-suche großzügig vom Thüringer Kultusministerium und dem örtlichen Buchhandel gegeben.
Man war sich darüber einig, dass man zudem die Doppeldeutigkeit der „Lese“ zum Ausdruck bringen möchte und so entstand neben der Buchlesung auch der Gedanke einer „Weinlese“ im übertragenen Sinne. Während des zweiten Teils der Veranstaltung wurden im Foyer fränkische Weine, Zwiebelkuchen und Laugenbrezeln angeboten.
Das 1. Herbst-Lese-Fest wurde demnach ein voller Erfolg und der Startschuss für die inzwischen 13-jährige Tradition an der Schule war gegeben.
In den darauffolgenden Jahren wurden Philomena Franz (2001), Prof. Dr. Bassam Tibi (2002), Dr. Daniel Deckers (2003), Rupert Neudeck (2004) und Matthias Kopp (2005) zu Buchlesungen gewonnen.
Frau Catrin Schmidbauer wurde durch das Organisationsteam „eingearbeitet“, begleitete alle Aufgaben der zu treffenden Vorbereitungen um dann 2006 den „Staffelstab“ von der Vorbereitungsgruppe zu übernehmen. In Birgit Rusbüldt (bis 2007), Christiane Neubig und Sabine Schneider fand sie zuverlässige Mitstreiterinnen.
Seither organisiert das neue Organisationsteam, das 2007 durch Frau Schütz ergänzt wurde, nach dem Grundgedanken der Vorreiter alljährlich das Herbst-Lese-Fest an der Schule. Der Wunsch, die Schülerschaft aktiv einzubinden um eine gemeinsame Veranstaltung zu bewerkstelligen, wurde nicht nur erfüllt, sondern auch erfolgreich umgesetzt.
Als konstante und sehr verlässliche Größen hielten sich inzwischen über dreizehn Jahre die Sponsoren, Druckerei Handmann, Buchhandlung Peterknecht und der Förderverein der Edith-Stein-Schule, wodurch allen interessierten Besuchern der Veranstaltung immer noch freier Eintritt gewährleistet wird.
So besuchten die Edith- Stein-Schule im Rahmen des Herbst-Lese-Festes

  • 2006 las Erika Rosenberg aus ihrem Buch „Ich, Emilie Schindler“ – mutige Zeitzeugen der Naziherrschaft.
  • Prof. Dr. Manfred Deselaers referierte 2007 zu „Dialog an der Schwelle von Auschwitz“.
  • 2008 las Dr. Alois Prinz aus der Biographie „Hannah Arendt – Beruf Philosophin, oder Die Liebe zur Welt“.
  • Jana Jürß las 2009 aus ihrem Lese- und Arbeitsbuch „DDR – durch Menschen gelebt“.
  • 2010 „Willy Brandt in Erfurt – Der schwierige Weg zum ersten deutsch-deutschen Gipfeltreffen 1970“ von Jan Erices und Jan Schönfelder.
  • Maren Gottschalk, „Die Morgenröte unserer Freiheit“ mit Untertitel „Die Lebensgeschichte von Nelson Mandela“ war 2011 Thema des Herbst-Lese-Festes.
  • An Edith Steins 121.Geburtstag las, im Rahmen der Festwoche zum 20-jährigen Bestehen der Edith-Stein-Schule, Dr. Ingeborg Gleichauf aus Ihrem Buch “Denken aus Leidenschaft – Acht Philosophinnen und ihr Leben”.
  • Was bedeutet Jesus für uns? Autor Dr. Alois Prinz las 2013 aus seinem Buch “Jesus von Nazaret”.
  • 2014 “Erlauben Sie, dass ich schweige…” – Die Verbrannten Dichter – ein Programm von Gerd Berghofer.
  • Sherko Fatah las 2015 aus seinem Buch “Der letzte Ort”

Was im April des Jahres 2000 als spontane Idee entstand, ist nun zum festen Bestandteil der Jahresplanung an der Edith-Stein-Schule geworden.

Catrin C. Schmidbauer Organisation Herbst-Lese-Fest

 

Rückblick auf vergangene Herbstlesen

Herbstlesefest 2016