„One more time“ – Mit den Musikkursen zu Besuch bei „Jesus Christ Superstar“

Staatlich anerkanntes katholisches Gymnasium mit
staatlich anerkannter katholischer Regelschule

„One more time“ – Mit den Musikkursen zu Besuch bei „Jesus Christ Superstar“

„One more time“ – Mit den Musikkursen zu Besuch bei „Jesus Christ Superstar“

Knapp zwei Monate vor der Premiere der Domstufen-Festspiele besuchten die Musikkurse der Klasse 11 von Frau Wollensak und Herrn Habermann im Rahmen eines Workshoptags das Theater Erfurt. Der Tag begann zunächst mit einer gemeinsamen Chorprobe in der Schule und einem kleinen Minikonzert im Foyer, um das neu erarbeitete Stück gleich einmal mit schöner Akustik auszuprobieren. Danach ging es direkt weiter ins Theater – dorthin, wo seit Wochen mit Hochdruck an der Inszenierung von „Jesus Christ Superstar“ gearbeitet wird, das am 7. August 2026 auf den 70 Domstufen Premiere feiert.

 


Auf der Probebühne

Den Auftakt bildete ein Besuch der Probe im Ballettsaal. Dort feilte das künstlerische Ensemble unter der Leitung von Choreograf Bart De Clercq in einer sogenannten „Cleaning“-Probe an der Simon-Zelotes- und der Tempel-Szene – zunächst mit Klavierbegleitung, in der zweiten Szene bereits mit Playback-Einspielung. Mit Requisiten wie Waffen und Koffern entstand schon in der Probe eine dichte, vielversprechende Atmosphäre.

Beeindruckend war vor allem die Konzentration im Raum: Selbst kleinste Fehler wurden sofort korrigiert und „geputzt“ –  für gerade einmal zwölf Takte nahm sich der Choreograf gut 30 Minuten Zeit für Erklärungen und Korrekturen. Die Tanzproben waren erschöpfend, aber voller Energie – und das, obwohl das Ensemble eigens für die Festspiele zusammengestellt wurde und man ihm keineswegs anmerkte, zum ersten Mal gemeinsam zu arbeiten. Gearbeitet wurde übrigens in einer Mischung aus Deutsch und Englisch, im Ensemble liebevoll „Denglisch“ genannt. Hier waren auch einige Hauptdarsteller im Tanzeinsatz, wie z.B. „Maria Magdalena“, während „Judas“ den MP3-Player für das Playback bediente.

Choreograf und Ensemble nahmen sich im Anschluss Zeit für Fragen aus der Gruppe. Besonders in Erinnerung blieb ein Satz, der die Haltung hinter der Inszenierung gut auf den Punkt brachte: „Die Botschaft des Musicals darf unangenehm sein und auch weh tun – das ist die Geschichte!“ Die Frage nach der Person Jesus und dem Etikett „Jesus Christ Superstar“ begleitete uns noch viele Male.

 


Hinter den Kulissen: Saal und Werkstätten

Nach der Probe ging die Führung weiter durch den Großen Saal und die Nebenbühne in die Werkstätten des Theaters, wo kurz vor Beginn der Spielzeitpause ebenfalls auf Hochtouren gearbeitet wurde. Im Malsaal entstehen derzeit sieben monumentale, goldene Bilderrahmen die als Bühnenbild dienen werden. Die Idee dazu orientiert sich an den Bildstöcken der Kreuzwege, die traditionell die Leidensstationen Jesu zeigen.

In der Schneiderei und bei den Requisiten erhielt die Gruppe ebenfalls spannende Einblicke und kam mit den Mitarbeitenden ins Gespräch. Dort entstehen derzeit drei lebensgroße Engelsfiguren, die in der Kreuzigungsszene zum Einsatz kommen sollen. Für die Form orientierte man sich an den bekannten Figuren aus dem Erzgebirge. Die passenden Engelsköpfe wiederum entstehen in der Maske aus einem besonderen, gut formbaren Kunststoffgewebe, wie die Mitarbeiter verrieten.


Im Gespräch mit Herodes-Darsteller Máté Solyom-Nagy

Den Abschluss des Tages bildete ein Gespräch mit Máté Solyom-Nagy, der in der Inszenierung den Herodes verkörpert. Er sprach offen über die Arbeitsbelastung von Sängerinnen und Sängern, über die Entstehungsgeschichte der Gattung „Musical“, die dafür erforderliche spezielle Gesangstechnik und über die Besonderheiten der Aufführung auf den Domstufen in Erfurt. Spannend war auch der tagespolitische Bezug seiner Rolle: Herodes wird in der Inszenierung als Karikatur eines US-Präsidenten angelegt. Angeregt diskutiert wurde zudem, wie sinnvoll Übersetzungen aus der Originalsprache sind und wie sich ein traditionelles Musiktheaterhaus wie das in Erfurt im Wettbewerb mit kommerziellen Musical-Produktionen aus Hamburg oder Berlin behauptet. 

Ein herzlicher Dank gilt dem Team der Theaterpädagogik um Joanna Petre, das diesen aufschlussreichen Workshoptag möglich gemacht hat.

Martin Habermann

Joachim Schindler

Edith-Stein-Schule Erfurt